Triff die Entwickler: DIPO Power

05.09.2016

Monica Moreo ist Leiterin von DIPO Power. Die nehmen am Geschicklichkeitsparcours mit Armprothesen teil.

Photo of team DIPO Power

Wie und wann haben Sie erstmals vom Cybathlon gehört?

Wir erfuhren erstmals vom Cybathlon im September 2015, als ein anderes Team von der Universität Delft über sein Projekt informierte. Es nimmt am Exoskelett-Parcours teil.

Welche Aufgabe haben Sie im Team? Für welchen Wettkampf haben Sie sich angemeldet?

Ich bin die Teamleiterin von DIPO Power. Wir nehmen am Geschicklichkeitsparcours mit Armprothesen teil.

Mit welchen Schwierigkeiten rechnen Sie bei diesem Wettkampf oder dieser Disziplin?

Die Hand ist das komplexeste Organ des menschlichen Körpers. Die Kombination von Hand und Arm ermöglicht eine hohe Geschicklichkeit und sorgt für Unabhängigkeit im Alltag. Für Menschen, die einen Arm oder eine Hand verloren haben, sind gerade Alltagstätigkeiten besonders schwierig zu bewältigen. Sie haben bei den verfügbaren Technologien die Wahl zwischen Eigen- und Fremdkraftprothesen. Beide Konzepte haben ihre Vor- und Nachteile. Ein grosses Problem sind in beiden Fällen die fehlenden Rückmeldemechanismen. Sie sind daher beide noch weit entfernt von den Rückmeldungen des Nerven- und Muskel-Skelett-Systems einer natürlichen Hand.

Was ist Ihr Beweggrund für die Teilnahme am Cybathlon? Was hat Sie zu Ihrer Forschungskarriere auf diesem Gebiet bewogen?

Obwohl in den Medien vor allem über die Fortschritte bei den myoelektrischen Prothesen berichtet wird, sind wir überzeugt, dass Eigenkraftprothesen für Menschen mit Arm- oder Handverlust eine kostengünstige und effektive Lösung darstellen können. Wir beschlossen, am Cybathlon teilzunehmen, um zu beweisen, dass eine Eigenkraft-Armprothese nicht nur billiger und leichter zu handhaben ist, sondern auch ebenso gut oder noch besser funktioniert als Fremdkraftprothesen.

Der Verlust einer Hand gilt als eines der traumatischsten Erlebnisse, die man sich vorstellen kann. Er stellt eine starke Beeinträchtigung dar. Ich beschloss, mich mit Biomechatronik und insbesondere mit Handprothesen zu befassen, weil ich fest überzeugt bin: Wenn man jemandem nach einer Amputation eine gute, funktionstüchtige, kostengünstige und massgeschneiderte Prothese gibt, kann das seine Lebenssituation enorm verbessern.

Auf welcher Entwicklungsstufe befindet sich Ihre Technologie? Wann werden Sie die ersten Tests durchführen?

Unsere Technologie ist ausgereift. Sie funktioniert, und wir haben sie bereits mit unserem Piloten getestet.

Verwenden Sie ein marktgängiges Gerät oder entwickeln Sie ihr eigenes? Wodurch zeichnet sich Ihr Gerät besonders aus?

Wir verwenden einen «TRS Grip 5 Prehensor», einen massgeschneiderten, selbstsuspendierten, suprakondylären Schaft mit Unterarm- und Handgelenkkomponente sowie einem hochleistungsfähigen «Figure 9 Harness» und einem Bowdenzug. Die einzelnen Komponenten sind bereits kommerziell erhältlich.

Das Einzigartige an diesem System ist, dass es wenig Betätigungskraft erfordert, eine hohe Greifkraft und einen äusserst funktionsfähigen Sperrmechanismus besitzt. Ausserdem gewährleistet die Form des Prehensors eine besonders hohe Geschicklichkeit.

Wie haben Sie Ihren Piloten gefunden?

Unser Pilot, Bob Radocy, ist der Gründer und Eigentümer von TRS Prosthetics. Er hat bereits zuvor mit der Technischen Universität Delft zusammengearbeitet und ist eine Kapazität auf dem Gebiet der Arm- und Handprothesenentwicklung. Wir fanden, er sei ein guter Kandidat, weil er sich mit Prothesen gut auskennt, weil er Eigenkraftprothesen bevorzugt und weil er von der Sache begeistert ist.

Was sind für Sie die grössten Herausforderungen?

Da bei diesen Prothesen keine aktive Handgelenkrotation möglich ist, sind einige der Aufgaben für uns besonders schwierig. Wir müssen daher unsere Strategie über die natürliche Bewegung hinaus zusätzlich anpassen.

Auf welche wissenschaftliche Frage erhoffen Sie sich eine Antwort von der Entwicklung und dem Training? Was erhoffen Sie sich von den am Cybathlon verwendeten Technologien für die Zukunft?

Ist eine einfache, aber gut konzipierte Eigenkraft-Armprothese von ihrer Funktion her konkurrenzfähig gegenüber einer komplexen Fremdkraftprothese, wenn es um die Bewältigung alltäglicher Aufgaben geht?

Wir sind überzeugt, dass die heutigen Eigenkraft-Armprothesen immer noch eine gute, funktionale Alternative zu myoelektrischen Prothesen darstellen. Und wir hoffen, zeigen zu können, dass ein Eigenkraftsystem mit aktiver Schliessfunktion («Voluntary Closing») den Parcours ebenso gut oder noch besser absolvieren kann als die Fremdkraftprothesen-Konkurrenz. Für die Zukunft erhoffen wir uns eine erneute Ausrichtung der Forschung und Entwicklung auf Eigenkraftprothesen neben den Fremdkraftprothesen.

 
 
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Thu Feb 23 17:06:28 CET 2017
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